Passions of the Flesh

11. Oktober 2019 bis 8. Januar 2020

Andreas Fux und Lucas Foletto Celinski

Sprechsaal Berlin


100 Beste Plakate 2019

100 Beste Plakate aus Deutschland, Österreich und der Schweiz 2019.

Unser Plakat ist dabei!

Passions of the Flesh – die freiwillige Haut

Was ist das für eine schwarz-weiße Schlange, die sich hier um sich selbst windet?  Und was ist das für eine Position, in der der nackte Mann dort von der Decke hängt? Ist die Schlange ein Exemplar einer ausgestorbenen und vergessenen Spezies oder ein Fetisch? Und wenn sie ein Fetisch ist, dient er der sexuellen Stimulanz oder verkörpert er eine religiöse, übernatürliche Macht? Und wie ist der nackte Mann in diese unnatürliche Situation geraten, aus der heraus er die Welt kopfüber betrachtet? Ist dies eine missliche Lage oder eine meditative?

Dass auf Anhieb reichlich Fragen zirkulieren, scheint mir ein sicheres Zeichen dafür, womit wir es zu tun haben. Mit den Werken zweier Künstler, die begriffen haben, worin die Aufgabe der Kunst nicht besteht: Sie besteht nicht im Bereithalten von Antworten. 

Bereits die vier Begriffe, die im Titel der Ausstellung aufeinanderprallen – Fleisch, Passion, Haut und Freiwilligkeit – lösen eine Flut von Assoziationen aus, aus der sich im Handumdrehen eine ganze Kulturgeschichte des Begehrens skizzieren ließe. Die Oberfläche und die Substanz, der (freie) Wille und die Leidenschaften kommen zur Sprache, werden kontrastiert und verwoben und scheinen sich gegenseitig zu bedingen. Das Spektrum zwischen Befriedigung und Exzess wird dabei in seiner vollen Dimension ausgelotet.

Während in den Attitüden und Positionen zeitgenössischer Kunst eine dekorative Unverbindlichkeit vorherrscht, die Emotion als Schwäche zu begreifen scheint, scheut Andreas Fux nicht das Bekenntnis zum Pathos. Drastisch und explizit blutig kann es zugehen, wenn er die Entstehung der Cuts seiner Modelle in klinisch-weißen Räumen festhält. Dann wieder schlägt er leisere Töne an, indem er die Wirkung des Lichts auf Haut und Körpern erkundet und zu anthropomorphen Poemen modelliert.

In Lucas Foletto Celinski hat er den kongenialen Widersacher gefunden. Selten kommt es in einer Ausstellung zu einem derart inspirierenden und verstörenden Dialog. Lucas Foletto Celinskis reduziert-rätselhafte Objekte hängen – vernäht, vernetzt, verspannt – ebenso herausfordernd wie unnahbar im Raum und man könnte den Eindruck gewinnen, dass sie mit ihrem reservierten, unterkühlten Habitus die Aktionen und Reaktionen, die wir auf den Fotografien von Andreas Fux beobachten, erst provozieren.

Das Zwiegespräch über Selbstbestimmung und Lust ist in vollem Gange.